„Familien in Coronazeiten“ – Familienverbände fordern schnelle Entlastung!

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Pressemitteilung 25.01.2021 

Familien entlasten – jetzt!

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Familienverbände (LAGF) thematisierte in ihrem jüngsten Gespräch mit der Hausleitung des Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration (MASI) die Folgen der Corona-Pandemie für Familien in Sachsen-Anhalt.

Übereinstimmend stellten Staatssekretärin Susi Möbbeck und die Vertreterinnen und Vertreter der LAGF fest, dass Familien momentan die Hauptlast der Corona-Verordnungen zu tragen haben. Deshalb seien alle gesellschaftlichen Kräfte aufgerufen, in ihren Wirkungsbereichen nach Möglichkeiten zu schauen, um Familien zu entlasten, hob Staatssekretärin Möbbeck hervor. Die in der LAGF zusammengeschlossenen Verbände nehmen dies als Arbeitsauftrag und Bestätigung ihrer bisherigen landesweiten entlastenden und stärkenden Angebote für Familien gleichermaßen.

 

Beziehungen und Begegnungen sind lebenswichtig

Die Vertreterinnen und Vertreter der LAGF wiesen darauf hin, dass Kinder und Jugendliche den Kontakt zu Gleichaltrigen brauchen. Für das soziale Lernen und die psychische Entwicklung von Kindern ist der soziale Kontakt lebenswichtig und so belegen inzwischen auch zahlreiche Studien, dass Kinder erheblich unter der andauernden Schließung von Kitas und Schulen und den Kontakteinschränkungen leiden. Für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten oder bei denen das Jugendamt eine Betreuung in der Kita befürwortet, gibt es die Möglichkeit, in die Notbetreuung zu gehen. Dieses Verfahren sei in Sachsen-Anhalt sehr weit auslegbar, so die Staatssekretärin und habe deutlich mehr Kinder im Blick, als jene von Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Momentan liegt die Inanspruchnahme bei 30% im Landesdurchschnitt.

In diesem Zusammenhang wird begrüßt, dass jetzt z.B. die Möglichkeit besteht, Kinder bis 14 Jahre in maximal zwei Haushalten zu betreuen und dabei „feste“ Betreuungsgruppen zu bilden. Ansonsten würden auch die Kinderkrankentage bei einer Schließung der Betreuungseinrichtungen bis Mitte Februar nicht ausreichen.

 

 Homeschooling und seine Grenzen

Viele Eltern kommen an ihre Grenzen bei dem Versuch, Homeschooling und Homeoffice unter einen Hut zu bringen. Kinder, die aus bildungsfernen oder belasteten Familien kommen, werden zudem immer weiter abgehängt. Diese Gefahr besteht auch bei Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf und bei Familien mit Migrationshintergrund. Das liegt nicht nur an der technischen Ausstattung in den Haushalten, sondern auch an den Möglichkeiten, die die Eltern bei der Unterstützung ihrer Kinder im Homeschooling haben.

Die Schule wird ihrem Bildungsauftrag nicht gerecht, wenn Wissensvermittlung auf digitale Aufgabenverteilung und Elternarbeit auf monatliche E-Mails reduziert wird. Die Hauptlast tragen die Eltern, die in doppelter Belastung und Verantwortung stehen. Sie werden bei dieser Aufgabe oft nur unzureichend von der Schule unterstützt und begleitet. Von Eltern wird z.B. beklagt, dass konkrete Rückmeldungen und ein Feedback zu den erbrachten Leistungen fehlen.

Die LAGF begrüßt, dass sich das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration für eine Rückkehr zum Präsenzunterricht in Schulen und zum Regelbetrieb in den Kitas stark machen will, sobald die Einschätzung der Corona-Gesamtsituation durch die Experten dies hergibt. Die LAGF betonte, dass dies dann mit hoher Priorität und zeitnah erfolgen müsse.

 

Kontaktbeschränkung als Verstärker für Problemlagen

Die Eindämmungsverordnungen wirken wie Verstärker. Familien, denen es als Kernfamilie gut geht, erleben die Zeit des aufeinander Angewiesenseins als Gewinn mit positiven Effekten. Familien, die Hilfs- und Unterstützungsbedarf hatten, sind in doppelter Weise bestraft. Ihre Probleme verstärken sich in der Enge und Abgeschlossenheit. Die Hilfsangebote sind nicht oder nur eingeschränkt erreichbar. Besonders betroffen sind auch Familien mit Migrationshintergrund, die oft aufgrund sprachlicher Barrieren keine Unterstützung finden können. Damit wird das Konfliktpotential verstärkt und die Problemlagen überrollen lawinenartig die Familien.

Familienzentren und Einrichtungen der Familienbildung dürfen zurzeit keine Präsenzangebote machen, stehen aber für Online-Angebote, sowie telefonische und digitale Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Informationen dazu sind auf der Internetpräsenz www.familieninfo-sachsen-anhalt.de zu finden.

 

Mitglied der LAGF sind:

 

• CVJM Familienarbeit Mitteldeutschland e.V.

• Deutscher Familienverband Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.

Der Kinderschutzbund Landesverband Sachsen-Anhalt e.V.

Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie Sachsen-Anhalt e.V.

Familienbund im Bistum Magdeburg und im Land Sachsen-Anhalt e.V.

Landesverband der Pflege- und Adoptiveltern e.V.