Am 17. Juni fand in der Polizeiinspektion Halle eine Fortbildung zum ODARA-Diagnoseinstrument statt. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, mit dem Täterberatung, Polizeibeamte, Sozialarbeiterinnen usw. in Fällen von häuslicher Gewalt checken können, ob ein erhöhtes Risiko für gefährliche Rückfälle besteht. ODARA (Ontario Domestic Assault Risk Assessment) wurde in Kanada entwickelt und gilt derzeit als das am ausführlichsten validierte Risk-Assessment Instrument im Bereich der häuslichen Gewalt. Es verfügt über eine hohe Trennschärfe und es braucht kein klinisches Expertenwissen, um die Items zu beurteilen.

Als Referenten konnten wir Roland Hertel, Vorstandsvorsitzender bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit gewinnen. Roland Hertel wurde nicht müde, immer wieder zu betonen, dass die Verwendung von ODARA nur ein erster Schritt sein kann: Der nächstfolgende Schritt (im Falle eines ermittelten Risikos) sollte immer eine Fallkonferenz aller Kolleginnen und Kolleginnen sein, die mit dem Fall befasst sind. In diesem Zusammenhang verwies er auf die besondere Rolle der Täterberatung (in diesem Fall DFV ProMann Halle) neben Angeboten wie Frauenhaus der Betroffenenberatung.

Roland Hertel hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die Überwindung von „Befindlichkeiten“ (Trägerinteressen, unterschiedliche Professionen …) zugunsten einer Vernetzung und Kooperation, um Hilfen Kraft und Effektivität zu verleihen – Rückenwind für das Angebot der Täterberatung, das leider immer noch nicht zur Selbstverständlichkeit innerhalb der Hilfelandschaft gehört. Dies geschah öffentlichkeitswirksam im Beisein des MDR-Fernsehens, wo gerade ein Beitrag zum Thema „Femizide“ produziert wird. Dieser Beitrag wird am 30 Juni um 21.45 Uhr im Rahmen des MDR-Magazins „Fakt“ ausgestrahlt.