Menschen wollen Konflikte lösen, sie wissen häufig nur nicht wie

Seit 1998 bildet der DFV Sachsen-Anhalt bereits Mediatorinnen und Mediatoren aus. Die Mediatorin Elisabeth Hosp aus Magdeburg hat den Ausbildungskurs 2018 von Olaf Friedersdorf übernommen  und setzt seitdem neue Akzente. Jährlich findet die Mediationsausbildung beim DFV Sachsen-Anhalt statt.

 

 Interview mit Elisabeth Hosp im September 2019.

Frau Hosp, was können Sie zum Start des diesjährigen Ausbildungskurses sagen?

Wir haben eine bunt gemischte Gruppe mit Studentinnen und Studenten verschiedener Studienrichtungen, aber auch Berufstätige aus dem Personalmanagement, dem pädagogischen Bereich sowie eine Architektin. Männer sind im Kurs aber unterrepräsentiert. Das ist schade, denn sie bringen weitere Perspektiven mit ein.

Was ist der Vorteil von Mediation, wo wird sie angewendet?

Mediation kann überall da angewendet werden, wo Menschen miteinander in Kontakt treten und eben in einen Konflikt geraten. Beispiele sind Erbschaftsstreitigkeiten, Konflikte in einer Paarbeziehung oder zwischen NachbarInnen. Auch in Unternehmen, Vereinen oder anderen Organisationen sowie im schulischen Bereich werden Mediatoren gebraucht.

Bei einer Mediation steht die Konfliktlösung im Vordergrund. Dabei werden alle Beteiligten gleichermaßen berücksichtigt. Ich gehe davon aus, dass Menschen Konflikte lösen wollen, denn sie belasten sie stark.

Mediation wird dann eingesetzt, wenn der Konflikt für die Beteiligten unlösbar scheint und sie allein nicht mehr weiterkommen. Mediation strebt eine einvernehmliche Lösung an. MediatorInnen unterstützen das Gespräch, in dem sie zwischen den Parteien vermitteln.

Können Sie das näher erklären?

Ein einfaches Beispiel: Zwei Schwestern streiten sich um eine Orange. Der klassische Kompromiss wäre, die Orange in der Hälfte zu teilen. In der Mediation schauen wir jedoch nach einer Win-Win-Lösung sowie nach den jeweiligen Wünschen und Bedürfnissen. Denn die eine Schwester möchte das Fruchtfleisch, um einen Saft zu machen. Die andere ist an der Schale interessiert, die sie für einen Kuchen braucht. Ein Konflikt ist unnötig, denn beiden Interessen kann man gerecht werden.

Mediation bringt unterschiedliche Interessen oder auch Missverständnisse zum Vorschein und befähigt die Streitenden im besten Falle, eine eigene Konfliktlösung zu erarbeiten. Anders als bei einem Gerichtsverfahren gibt es am Ende keine Gewinnerin bzw. Verliererin.

Das klingt ein wenig nach „schöner Welt“…

Mediation geht von einem positiven Menschenbild aus. Und ich gehe davon aus, dass Menschen in der Lage sind, ihre Konflikte zu besprechen und selber zu klären. Wenn Konflikte jedoch festgefahren und stark eskaliert sind, dann verändert sich die Logik der Streitenden. An irgendeinem Punkt geht es nur darum, nicht auch noch das eigene Gesicht zu verlieren und zu kämpfen, statt den Konflikt konstruktiv zu besprechen. Ursache dafür sind verletzte Gefühle, ungehörte Interessen und bedrohte Bedürfnisse.

Was macht eine Mediatorin oder ein Mediator nun genau?

Unter Anwendung bestimmter, erlernbarer Techniken vermitteln Mediatorinnen zwischen den Konfliktparteien. Dabei bleiben sie allparteilich und treffen selbst keine Entscheidungen, sondern führen die Parteien durch die Mediation.

MediatorInnen müssen sich in der Ausbildung mit sich selbst und ihrem Konfliktverhalten auseinandersetzen. Sie müssen Verständnis dafür entwickeln, in welcher schwierigen Lage und unter welchem Stress Konfliktparteien den Weg zu ihnen finden.

Für wen eignet sich die Ausbildung?

Die Ausbildung richtet sich an alle, die neue Wege der Konfliktlösung verwirklichen wollen. Die Formulierung ist bewusst offen gehalten, da wir eine möglichst breite Gruppe an Interessierten ansprechen wollen. Die im Kurs erlernten Fähigkeiten sind sowohl beruflich als auch privat nützlich.

Der Kurs kann sehr gut berufs- oder studienbegleitend belegt werden. Durch die Zeitspanne von knapp einem Jahr verfestigt sich das Erlernte gut und nachhaltig. Der Kurs ist auch eine erste Möglichkeit, um ein Netzwerk aufzubauen.

Was ist neu bei diesem Ausbildungskurs?

Vieles bleibt. Zentral im Kurs sind die Vermittlung von Inhalten und die Selbsterfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mir ist auch besonders die praktische Orientierung bei der Ausbildung wichtig. Eine Neuerung ist deshalb, dass Rollenspiele bei Bedarf und nach Absprache mit unbekannten Gästen stattfinden. Wenn die Teilnehmenden die Personen nicht kennen, kann die reale Situation besser simuliert werden. Die Konfliktbeschreibungen sind ausgedacht, das Konfliktverhalten und die Reaktionen der Spielenden sind jedoch authentisch.

Frau Hosp, vielen Dank für das Gespräch.

„Von der Saat zur Ernte“: Wissensvermittlung im Grünen

Die AG „Schulgarten“ der Grundschule Kritzmannstraße welche durch die Schulsozialarbeit und den Hort mit Engagement gefüttert und begleitet wird verfolgt ein ambitioniertes Ziel: Die Kinder sollen die grundlegenden Schritte der Gartenarbeit kennenlernen – von der Aussaat bis hin zur Ernte. In diesem Zusammenhang bekommen sie die Möglichkeit, selbst zu pflanzen, zu pflegen und später die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Doch das Projekt ist mehr als nur Gartenarbeit. Es geht auch um Wissensvermittlung und das gemeinsame Erleben von Natur.

In Kooperation mit dem Nachbarschaftszentrum „Neue Wege“ e.V.  und dessen Besucher:innen wurde die Schulgarten AG ins Leben gerufen. Diese stellen nicht nur Ihre Hochbeete auf dem Gelände zur Verfügung, sondern wollen die Kinder auch mit Ihrem Wissen bezüglich der Gartenarbeit unterstützen. Dabei wird sich nicht nur mit den Themen Pflanzen und Gartenarbeit auseinandergesetzt, sondern auch der Austausch zwischen den Generationen sowie das Verantwortungsbewusstsein der Kinder soll gefördert werden.

Am Dienstag, den 05. November, fand ein besonderer Moment im Rahmen des Projekts statt: Die Schüler:innen der Schulgarten-AG erhielten Schürzen, die großzügig von der Wohnungsbaugenossenschaft „Stadt Magdeburg von 1954“ eG gesponsert wurden. Dieser Moment der Übergabe wurde mit einem kleinen Fototermin gebührend gefeiert, der allen Beteiligten viel Freude bereitet hat. Die Schürzen sollen nicht nur praktisch beim Arbeiten im Garten dienen, sondern symbolisieren auch die Unterstützung der lokalen Gemeinschaft für das Projekt.

Das Schulgartenprojekt ist ein schönes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen und Menschen aus der Nachbarschaft. Die Kooperation zwischen der Grundschule Kritzmannstraße, dem Nachbarschaftszentrum „Neue Wege“ e.V. und der WBG „Stadt Magdeburg von 1954“ eG zeigt, wie gemeinschaftliches Engagement Früchte tragen kann – im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist nicht nur ein Projekt für die Kinder, sondern auch ein Beitrag zur Stärkung des Miteinanders in der Nachbarschaft.

Lesenacht

„Es war einmal eine Leseratte, die hieß Paula, und die trug eine große Brille mit dicken, krummen Gläsern.“ (aus „Paula, die Leseratte“ von Martin Ebbertz)

Einmal in der Woche treffen sich Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen der Grundschule „An der Klosterwuhne“ mit Nadine Hopfgarten vom Kinder- und Jugendhaus „Lichtblick“ und/oder ihrer Schulsozialarbeiterin Tanja Schönbrodt zum Leseclub, der von der Stiftung Lesen unterstützt und gefördert wird.

Schnell kam dabei der Wunsch auf, eine gemeinsame Aktion durchzuführen.

Am 18.10.2024 war es dann so weit. 16.30 Uhr trafen sich 11 Leseratten der Grundschule „An der Klosterwuhne“ mit und ohne Brille zu einer gemeinsamen Lesenacht. Zuerst ging es auf den Spielplatz, um zusammen zu spielen und das schöne Herbstwetter auszukosten.

Schon dort wurde das erste Mal gemeinsam gelesen, eine Geschichte aus „Paula, die Leseratte“. Die Leseratte kann pro Tag nur einen Buchstaben lesen. In diesem Fall benötigte sie fünf Tage, um das Wort zu lesen – Paula. Schnell hatten die Kinder nachgezählt, wie viele Tage sie bräuchten, um ihren Namen zu lesen. „Drei!“ „Auch fünf!“ „Neun!“

Im Anschluss ging es zum Kinder- und Jugendhaus „Lichtblick“, wo die Lesenacht stattfand. Dort wartete bereits ein leckeres Abendessen, sodass sich die Kinder für den langen Abend stärken konnten.

Nach dem Essen wurde auf arabisch und deutsch „Gute Nacht im Zoo“ vorgelesen, die Kinder stellten ihre Lieblingsbücher vor und lasen darin. Zum Abschluss des Abends sahen sie gemeinsam den Film „Alles steht Kopf“.

Der nächste Morgen startete mit einem gemeinsamen Frühstück und natürlich wurde noch einmal gelesen. Die Kinder lasen den anderen aus ihren mitgebrachten Lieblingsbüchern vor und weckten somit das Interesse der anderen für ihre Bücher.

Zum Abschluss wurde die Lesenacht ausgewertet und bei einem Punkt waren sich alle einig (außer natürlich bei der tollen Verpflegung): die Lesenacht muss unbedingt wiederholt werden!

Wir bedanken uns ganz herzlich für die tolle Unterstützung bei Nesrin Shaker und Dennis Diestel!

Nadine Hopfgarten und Tanja Schönbrodt